Das 18. Jahrhundert ist in der Kunstgeschichte eine aufregende Zeit des Umbruchs. Adel und Kirche schwelgen in den letzten Zügen ihrer Herrlichkeit und treten als Mäzene der Künstler des Spätbarocks und Rokokos in Erscheinung, gleichzeitig weht bereits der Geist der Aufklärung durch Europa. In der Kunst findet diese Denkrichtung ihren Niederschlag im Klassizismus des ausgehenden 18. Jahrhunderts.
Spätbarock und Rokoko
Süddeutschland mit seinen zahlreichen Schlössern und Kirchen entwickelt sich im 18. Jahrhundert zu einem Zentrum der barocken Fresken- und Deckenmalerei. Dieser Boom lockt Künstler aus ganz Europa an, bringt aber auch eine Vielzahl von Künstler vor Ort hervor. Die bedeutendsten Künstler dieser süddeutschen Schule sind Cosmas Damian Asam (1686 – 1739) und Joseph Wannenmacher (1722 – 1780). Cosmas Asam war nicht nur Maler, sondern auch Baumeister. Zusammen mit seinem Bruder übernahm er die künstlerische Gesamtgestaltung der Schlösser in Mannheim, Bruchsal und Ettlingen, sowie der Klosterkirche Weingarten – allesamt herausragende Werke jener Epoche. Wannenmacher ist gewissermaßen der künstlerische Gegenpol. Er erhielt seine Ausbildung als Maler in Rom, dem ursprünglichen Zentrum der Barockmalerei. Seine berühmtesten Arbeiten finden sich im Kloster St. Gallen. Seine düstere Farbgebung unterscheidet ihn von allen anderen zeitgenössischen Künstlern. In Italien und vor allen Dingen Frankreich, geht der Trend währenddessen bereits eindeutig zum Rokoko. Ein Künstler, der für diesen Übergang zwischen zwei Epochen der Kunstgeschichte beispielhaft steht, ist der venezianische Maler Giovanni Battista Tiepolo (1696 – 1770). Sein berühmtestes Werk ist die bildnerische Ausschmückung der Würzburger Residenz. Daneben schuf er viele Helden- und Historiendarstellungen, die dem Rokoko verhaftet sind. In Frankreich “erfindet” Jean-Antoine Watteau (1684 – 1721) mit seinen “Fêtes galantes” den Rokoko. “Fêtes galantes” sind Darstellungen von Liebespaaren, oftmals eingekleidet in Schäferszenen, die als Bildmotiv typisch für den Stil des Rokokos sind. Seine Landsleute François Boucher (1703 – 1770) und Jean-Honoré Fragonard (1732 – 1806) eiferten ihm nach. Boucher ist berühmt für seine sinnlichen, teils frivol wirkenden Bilder. Fragonard ist in der Darstellung zwar nicht so freizügig, aber auch er bildet die Lebenslust und Genussfreude seiner Epoche ab.
Klassizismus und Einzelgänger
Nach 1770 findet zunehmend ein Bruch in der Kunst statt. Der Klassizismus löst den Rokoko als bestimmender Stil seiner Zeit ab. Geschichte und Geschichten des alten Roms und des antiken Griechenlands rücken nun in den Mittelpunkt der Darstellung. Die Kultur der Antike steht sinnbildlich für eine aufgeklärte Gesellschaft. Der Franzose Jacques-Louis David (1748 – 1825) schuf mit dem Gemälde “Der Schwur der Horatier” das Hauptwerk dieser Epoche und gilt als einer der wichtigsten Künstler dieses Malstils. Der deutsche Maler Anton Raphael Mengs (1728 – 1779) ist heute dem breiten Publikum weniger bekannt, galt aber seinen Zeitgenossen als bedeutendster Künstler seiner Zeit. Er war als Porträtmaler eine brillante Begabung und malte alle wichtigen Personen seiner Zeit, darunter Zarin Katharina II., Friedrich den Großen und Papst Clemens XIII. Er entdeckte als einer der ersten Künstler Italien mit seinen antiken Ruinen als ideales Motiv für klassizistische Werke und weckte damit die Italienbegeisterung unter deutschen Künstler, Dichtern und Philosophen. Zwei Einzelgänger des 18. Jahrhunderts, die dennoch bis heute Weltruf genießen, seien abschließend genannt. Der Engländer William Hogarth (1697 – 1764) hatte mit seinen Historiengemälden wenig Erfolg, gilt aber als Schöpfer der modernen Karikatur. Der Spanier Francisco de Goya (1746 – 1828), der als Hofmaler in Madrid begann, schuf ein düsteres Werk, das sich allen kunsthistorischen Einordnungen entzieht und einzigartig in der Kunstgeschichte bleibt.
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